2026-08-28 - News

Rettenmeier Baltic Timber: Smart trocknen

Baltisches Vorzeigeprojekt setzt auf schwedische Trockenkammern Im lettischen Incukalns steht eines der modernsten Sägewerke der Welt. Mithilfe eines dreistelligen Millionenbetrags und führender Ausrüster der Holzindustrie sucht der Rettenmeier-Standort in puncto Effizienz, Leistungsfähigkeit und Qualitätsanspruch seinesgleichen. Bei der Schnittholztrocknung setzt Rettenmeier Baltic Timber unter anderem auf sechs Frischluft-Abluft-Kammern von Valutec mit 120.000 m3 Jahreskapazität.

Text und Bild Günther Jauk, Holzkurier

Mit einem Investitionsvolumen von 120 Mio. € entwickelte die Rettenmeier Holding den lettischen Standort Incukalns zum größten Sägewerk des Baltikums. Rettenmeier Baltic Timber verarbeitet über 1 Mio. fm/J Nadelholz und ist laut Rettenmeier-CEO Dr. Stephan Lang das effizientesteSägewerk Europas. Um das zu erreichen, setzte das Unternehmen – wie bereits 2021 in Wilburgstetten/DE – auf führende Maschinenausrüster der Branche. Herzstück in Incukalns ist eine Linck-Profilierlinie, ergänzt durch Microtec-Scanner und -Steuerelemente. Die aus rund zehn Millionen Fichten- und Kiefernstämmen pro Jahr gesägten Bretter laufen über zwei Springer-Sortieranlagen. Den ebenfalls neuen Rundholzplatz mit 134 Boxen (inkl. Überrollboxen) lieferte Holtec. Bei der Erweiterung der Trocknungskapazitäten setzt man in Incukalns unter anderem auf den schwedischen Anbieter Valutec.
„Unser oberstes Ziel bei der Trocknung ist, möglichst hochwertige Produkte zu bekommen. Darüber hinaus spielen die Trocknungszeit und der Energieverbrauch zentrale Rollen“, erläutert Betriebsleiter Rolands
Rimicans und fügt hinzu, dass Valutec im Norden genau für diese geforderten Eigenschaften bestens bekannt ist.

Flexibilität im Fokus
Konkret orderte Rettenmeier von Valutec sechs Frischluft-Abluft-Trockenkammern mit einer Gesamtkapazität von rund 120.000 m³/J. Insgesamt liegt die Trocknungskapazität am Standort nun bei etwa 300.000 m³/J. „Wir haben uns für Frischluft- Abluft-Kammern entschieden, da wir mit dieser Lösung die größtmögliche Flexibilität
erreichen“, informiert Agnis Vikstreins, der in Incukalns für die gesamte Schnittholztrocknung
verantwortlich zeichnet. Verarbeitet werden Fichte und Kiefer in Lamellendicken von 25 bis 75 mm, die vor allem als Rohmaterial für das hauseigene Hobelwerk dienen. Dennoch schließt Vikstreins nicht aus, dass die nächste Erweiterung ein Kanaltrockner sein könnte – diesmal war die Batch-Lösung aber schlichtweg die beste Wahl.

Die Projektabwicklung verlief reibungslos. Zwischen dem Auftragseingang und dem Betriebsstart lagen lediglich neun Monate.
„Alles war perfekt organisiert, das Montageteam war bestens eingespielt und das gesamte Projekt wurde in Rekordzeit durchgezogen“, zeigt sich Vikstreins begeistert. Timo Kanerva, Verkaufsleiter für die DACH-Region
bei Valutec, unterstreicht diesen Anspruch:
„Bei Vertragsabschluss sagen wir fix, wann der Kunde die Anlage einschalten und nutzen kann. Wir versuchen es nicht nur, sondern wir machen es. Am Stichtag steht jede Anlage einsatzbereit.“

Starke Heizleistung
Bei der Trocknungsqualität macht man in Incukalns keine Kompromisse.
„Vergesst dieMythen über Niedrigtemperaturtrocknung –wenn man effizient und hochwertig produzieren will, muss die Temperatur hochfahren“,stellt Kanerva klar. Die Kammern in Incukalns arbeiten mit Temperaturen von rund 75°C, bei Seitenbrettern wird teils mit vollem Tempo und bis zu 80 °C getrocknet. Valutec liefert hierfür extrem leistungsstarke Trockner: Mithilfe von Heißwasser-Hochdruckeinrichtungen und hoher Heizleistung lässt sich das Temperaturniveau rasch anheben, was den Trocknungsprozess spürbar beschleunigt. „Die Kammern arbeiten hervorragend. Wir bekommen genau die Kombination aus hoher Geschwindigkeit und guter Qualität, die wir für unsere Produktion benötigen“, bekräftigt Vikstreins.

Ein wesentliches Element zur Qualitätssicherung sind dabei die integrierten Druckrahmen. Diese mit pneumatischen Zylindern ausgestatteten Einheiten drücken von oben auf die Holzpakete. Zusammen mit speziellen Blenden schließen sie den Luftstrom nach oben hin ab, sodass die Luft gezielt durch das Paket gelenkt wird. Das verhindert effektiv das Verdrehen der obersten Lage und garantiert eine gleichmäßige Endfeuchte. Für die bestmögliche Ausnutzung der thermischen Energie sorgt ein im Kammerverbund integriertes Wärmerückgewinnungssystem sowie eine Abwärmeleitung zum Beheizen anderer Gebäude. Sollte die thermische Energie am Standort dennoch einmal knapp werden, lässt sich über die Steuerung priorisieren, welche Trockner bevorzugt versorgt werden.

Software reagiert auf die Strombörse
Die baltischen Strompreise werden über die nordische Strombörse Nord Pool gehandelt und weisen starke Schwankungen auf. Während die Kilowattstunde im Sommer teilweise nur wenige Cent kostet, können die Preise im Winter bei extremer Kälte auf 20 bis 60 Cent/kWh oder mehr hochschnellen. Um ein gleichmäßigen Trocknungsergebnis zu erzielen, werde leistungsstarke 30 kW-Motoren eingesetzt. Diese können jedoch sehr energieeffizient mit Hilfe der Valmatics 4.0 Software optimiert werden. Auf Kundenwunsch
entwickelte Valutec eine direkte Schnittstelle von Nord Pool zu Valmatics 4.0. Die Steuerung importiert die tagesaktuellen Strompreise automatisch. Reagiert der Markt mit Preisspitzen, drosselt das System die Drehzahl der Ventilatoren. Das verlängert den Trocknungsprozess spart aber Geld:
„An einzelnen Tagen sind das mehrere hundert Euro“, berichtet Vikstrein.

„Das Interface greift auf Open-Source- Daten zu und wurde Rettenmeier kostenfrei zur Verfügung gestellt. Damit hat sich die Lösung bereits am allerersten Tag amortisiert“, betont Kanerva. Für ihn ist das Projekt ein
Paradebeispiel dafür, wie Valutec auf konkrete Anforderung aus der Praxis eingeht. Um die Software kontinuierlich weiterzuentwickeln, beschäftigt Valutec am Hauptsitz im schwedischen Skellefteå mittlerweile ein zehnköpfiges Entwicklerteam.

KI unterstützt Trocknung
Die Software Valmatics 4.0 arbeitet KI-gestützt und nimmt dem Bedienpersonal komplexe Schritte ab. Über ein integriertes Simulationstool lässt sich bereits vorab exakt berechnen, wie sich das Holz verhalten wird
und wann der Zielfeuchtegehalt erreicht ist. Der Bediener muss lediglich Dimension sowie Holzart vorgeben und Qualität, Geschwindigkeit und Energieeinsparung entsprechend priorisieren.

Ergänzt wird das Paket durch umfassende Remote-Support-Möglichkeiten. Die Experten
von Valutec können aus der Ferne direkt auf die Anlagen zugreifen, um bei Bedarf schnell zu unterstützen oder Optimierungen vorzunehmen. In Incukalns zeigt man sich mit dem Gesamtergebnis durchweg zufrieden:
„Die Kombination aus robustem Anlagenbau, durchdachter Energierückgewinnung und intelligenter Software macht die Anlage zu einem wichtigen Baustein für den Erfolg des Standorts.“

Kontakt


Porträt von Timo Kanerva, Valutec.

Timo Kanerva

Verkaufsleiter DACH
+358 5 061 117 +358 5 061 117
timo.kanerva@valutec.fi